Kognitive Ergonomie: Arbeitsplätze gehirngerecht gestalten
Die Komplexität von Arbeitsaufgaben, die Informationsdichte und -geschwindigkeit nehmen zu und damit auch die Anforderungen an unser Gehirn. Bei der Planung und Gestaltung von Arbeit ist die Berücksichtigung von kognitiver Ergonomie daher heute unerlässlich.
Zunehmende Beschleunigung und Verdichtung von Arbeit, immer komplexere Arbeitssysteme und -prozesse sowie die Informationsflut prägen den Alltag von vielen Beschäftigten. Überlastung, Fehler, Arbeitsunfälle und Leiden wie Burn-out und Co. sind dann oft die Folge. Klar ist: Gesundes Arbeiten – und gute Arbeitsergebnisse – erfordern Rahmenbedingungen, die mit den geistigen (kognitiven) Funktionen und Kapazitäten des Gehirns in Einklang stehen.
Solche Gehirnfunktionen sind etwa:
- Wahrnehmung: Die Verarbeitung von Informationen zu sinnvollen Eindrücken (z. B. etwas sehen oder hören)
- Aufmerksamkeit: Die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Ablenkungen auszublenden
- Gedächtnis: Das Speichern und Abrufen von Informationen (z. B. Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis)
- Lernen: Der Erwerb neuer Kenntnisse und Fertigkeiten durch Übung und Erfahrung
- Problemlösung: Das Finden von Lösungen in komplexen bzw. neuen Situationen
Denkorgan unterstützen, statt es zu überlasten
Hier setzt die kognitive Ergonomie an: Sie konzentriert sich auf die Anpassung von Arbeit an die geistigen Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen. Ziel ist es, diese kognitiven Funktionen zu unterstützen, anstatt sie zu überlasten. Das bedeutet etwa: Arbeitsprozesse und -systeme sollten so aufgesetzt sein, dass sie leicht verständlich und bedienbar sind, die Konzentration, Entscheidungsfindung und auch Teamarbeit fördern, die Fehlerwahrscheinlichkeit minimieren sowie die natürlichen Leistungsgrenzen berücksichtigen.
Einfache Beispiele hierfür sind:
- Intuitive Software und Systeme: Software und Systeme sollten so gestaltet sein, dass sie möglichst leicht verständlich sind. Klug eingesetzte Grafiken, Symbole und Farbcodierungen helfen, Informationen schnell und eindeutig zu erfassen.
- Ablenkung vermeiden: Arbeitsplätze sollten so gestaltet sein, dass Ablenkungen minimiert werden. Gut durchdachte Raumplanung, Lärmschutzmaßnahmen, störungsfreie Arbeitszeiten, Homeoffice etc. helfen dabei.
- Gleichgewicht von Anforderungen und Ressourcen: Anforderungen, wie Aufgabenmenge, Komplexität etc. sollten mit den vorhandenen Mitteln in Balance stehen.
- Pausen und Erholung sicherstellen: Um geistige Überlastung zu vermeiden, sind regelmäßige Pausen und Erholungsphasen ein Muss. Sie helfen, die Konzentration und Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
Kein Luxus, sondern notwendig
Die Berücksichtigung von kognitiver Ergonomie bei der Arbeitsgestaltung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit – gehirngerechte Arbeit schafft Arbeitsbedingungen, die nicht nur den Beschäftigten, sondern ebenso dem Betrieb zugutekommen.
Magazin Gesunde Arbeit 1/2025, Stamm-Ausgabe